Julian Nagelsmann – Was steckt hinter seinem Erfolg?

Julian Nagelsmann – Was steckt hinter seinem Erfolg?

Stadion TSG 1899 Hoffenheim“ (CC BY-SA 2.0) by michaeltk

 

 

Als Julian Nagelsmann 2016 das Amt des Cheftrainers von Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim übernahm war die Anzahl seiner Kritiker groß. Und wer könnte es ihnen verübeln? Schließlich ging TSG-Boss Dietmar Hopp ein großes Wagnis ein, als er den damals 28-Jährigen zum jüngsten Trainer aller Zeiten machte. Nagelsmann hatte keinerlei Erfahrung im Herrenbereich und Hoffenheim war zu jenem Zeitpunkt in der unteren Tabellenregion angesiedelt. Die Zeit für Experimente konnte also schlechter nicht sein. Und doch erhielt Nagelsmann keinen kurzzeitigen Vertrag, sondern unterzeichnete ein Arbeitspapier über drei Jahre. Im Kraichgau war man also von seinen Fähigkeiten überzeugt und das sollte sich ausbezahlen. Nagelsmann zahlte das in ihn gesteckte Vertrauen umgehend zurück. Mit einer Mischung aus Leidenschaft und fachlicher Fertigkeit führte er die Hoffenheimer mit 23 möglichen Punkten zum Klassenerhalt.

 

In der vergangenen Saison hat er dem Märchen noch ein paar weitere Kapitel hinzugefügt. Die Kraichgauer kassierten in 34 Bundesligapartien gerade einmal vier Niederlagen, allerdings hat es dennoch nicht zum Favoriten auf den Meistertitel gereicht. Es ist bis dato immerhin das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte. In der Champions Leage Qualifikation scheiterte man später am FC Liverpool und auch die Teilnahme an der Europa League endete bereits nach der Gruppenphase.

 

Aber wie hat es dieser Jungspund geschafft, das Potential aus seinen Spielern herauszukitzeln, die größtenteils nur um wenige Jahre jünger sind als er selbst. Seiner Philosophie nach, gibt es für Spieler nichts Schlimmeres als Routine. Nagelsmann sorgt dafür, dass sich seine Akteure nie langweilen und fordert sie im Training ununterbrochen. Dadurch erzielen die Spieler große Fortschritte, wie sich zuletzt bei Serge Gnabry unschwer erkennen ließ. Und die Varianz macht sich auch im Spiel bemerkbar. Die Hoffenheimer Taktik weißt eine große Flexibilität auf, das heißt das System variiert ständig.

 

Nagelsmanns tägliche Arbeit mit dem Team ist sicherlich alles andere als konventionell. Deutschen Medien zufolge besteht Nagelsmanns taktische Vorbereitung darin, sich mit Stift und Notizblock in einen Raum zu sperren. Natürlich ist Hoffenheim ein moderner Fußballclub und nutzt numerische Daten wie jeder andere Profiklub auch, aber Nagelsmanns simplifizierter Ansatz bei der Finalisierung eines Stils für einen Samstagnachmittag geht gegen den Strich.

 

Als Anfang 30-jähriger Manager eines Fußballteams kann es mit dem eigenen Respekt schwierig sein. Gewinnen hilft, aber auch eine egalitäre Herangehensweise seiner täglichen Arbeit ist mit ein Grund: Nagelsmann hat in Hoffenheim kein eigenes Büro. Er teilt sein Büro mit seinen Assistenten. Der ständige Austausch ist ihm wichtig.

 

Das Kollektiv ist also der Schlüssel zum Erfolg. Das macht sich auch im Kader spürbar. Während Adam Szalai vor Nagelsmann so gut wie abgeschrieben war, spielt er mittlerweile wieder eine wichtige Rolle und das trotz großer Konkurrenz durch Spieler wie Andrej Kramaric und Mark Uth. „Der Schlüssel ist, Reservespieler wie alle anderen zu behandeln“, sagte Nagelsmann einst und sein Ansatz ein Gleichgewicht zwischen Kontinuität und Konkurrenz zu schaffen, scheint aufgegangen zu sein.

 

Was seine Zukunft betrifft, kann die logische Konsequenz eigentlich nur sein, dass er irgendwann einen größeren Klub trainiert. Er ist talentiert, ehrgeizig und jung. Sein Lieblingsverein aus Kindertagen ist übrigens der FC Bayern München. Wer weiß , vielleicht sehen wir den gebürtigen Bayern schon bald an der Seitenlinie des Rekordmeister

 

Written by German Partnerships Executive ICS‑digital LLP